13.12.2021 Kreistag Stade: Antrag - Aufforderung des Kreistages zur Geschichtsaufarbeitung an das Stader- und Buxtehuder Tageblatt für den Zeitraum 1933-1945

Sehr geehrter Herr Landrat,

aus einer Mitteilungsvorlage der Hansestadt Buxtehude vom 01.07.2021 (hier 2021/206-1) ist zu entnehmen, dass das Buxtehuder Tageblatt am 30.03.1933, also kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland, in geradezu widerwärtiger Weise die Politik der neuen Machthaber unterstützt hat.

Aus der Mitteilungsvorlage: „So unterstützte das Buxtehuder Tageblatt am 30.03.1933 ausdrücklich den Boykott jüdischer Geschäfte“.
Text aus dem Tageblatt: „Das Buxtehuder Tageblatt begrüßt den Abwehrkampf gegen die Greuel- und Lügenpropaganda und schließt sich der als Vergeltungsmaßnahme eingeleiteten Boykottbewegung der NSDAP rückhaltlos an.
Dem Aktionskomitee zur Durchführung des Boykotts stellen sich der Verlag und die Geschäftsleitung des Buxtehuder Tageblatts voll und ganz zur Verfügung."

Die AfD-Fraktion kann feststellen, dass mittlerweile per moralischen Druck fast jeder Kaninchenzuchtverein genötigt wird, seine Rolle während der Diktatur der Nationalsozialisten zu offenbaren. Diesen moralischen Druck gegenüber der Lokalpresse scheint es bisher nicht gegeben zu haben.


Die AfD-Fraktion beantragt deshalb: Der Kreistag möge beschließen, das Stader bzw. Buxtehuder Tageblatt aufzufordern, eine lückenlose Darstellung ihrer Aktivitäten im Sinne des Nationalsozialismus und der Berichterstattung aus der Zeit zwischen dem 01.01.1933 und dem 08.05.1945 für die Bürger des Landkreises Stade und der Hansestadt Buxtehude, sowie für die Leser dieser Zeitung kurzfristig zu erarbeiten oder erarbeiten zu lassen und das Ergebnis der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Weiter möge der Kreistag beschließen, diese Lokalzeitung aufzufordern die Namen der jüdischen Geschäfte zu veröffentlichen, zu deren Boykott sie aufgerufen hat und die
Frage zu beantworten, in welcher Höhe diesen Personen durch den Boykottaufruf ein geschätzter Schaden entstanden ist. Die Frage nach der Zahlung von Entschädigungsleistungen durch das Tageblatt, in welcher Höhe und an wen, ist ebenfalls zu stellen.


Mit freundlichen Grüßen


Maik Julitz

Dipl.-Ing. f. Kunststofftechnik

Kreistagsabgeordneter der AfD Fraktion